Kenya(tta) again

Nach den letzten Tagen ist es ruhiger geworden in Kikambala und auch in Kilifi, wo sich in der letzten Woche eine wütende Meute an der Pwani University versammelt hat und am Donnerstag von Sicherheitsleuten aufgescheucht wurde. Obwohl die Stimmen in Kilifi nicht gültig sind und Mustafa Iddi nach Nairobi geflogen ist um Neuwahlen zu beantragen, war es gestern soweit: Uhuru Kenyatta wurde erneut zum Präsidenten Kenyas ernannt. Ich habe die feierliche Zeremonie übers Netz verfolgt und war sichtlich überrascht, wie symphatisch mir der neue alte Präsident in seiner Rede nach der Ernennung gewesen ist. Ich bin sehr mißtrauisch, Kenyatta musste sich nach den Ausschreitungen 2007 bestimmt nicht umsonst in Den Haag verantworten und das das Verfahren gegen ihn eingestellt wurde oder werden musste, weil viele Zeugen nicht mehr zur Verfügung standen…all das wirft nicht das beste Licht auf den Sohn des ersten Präsidenten Kenias, der jetzt seine zweite Amtszeit antritt und der Verfassung gemäß auch seine letzte. Ich habe mir in den letzten Tagen viele Interviews mit ihm angeschaut und muss sagen, sie haben wenigstens Substanz. Er äußert sich zu Erneuerungen in der Infrastruktur, zu den Problemen des Landes und zwar detailliert und nicht pauschal. Odinga hingegen erfüllt das langweilige Klischee eines Oppositionellen, er prangert an, was die jetzte Regierung nicht macht oder macht, aber nennt keine Alternativen. Und während Uhuru Kenyatta gestern an das kenianische Identitätsgefühl appeliert hat und sein Volk darum gebeten hat, gewaltsame Ausschreitungen zu vermeiden, hat Odinga genau das Gegenteil gemacht; er hat Öl ins Feuer gegossen. Hier findet sich ein entsprechender Kommentar der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kenia, dessen Autor das Agieren Odingas unverantwortlich nennt, zu recht wie ich finde. Das Volk nach den Wahlen quasi schon mit Ankündigung mit Wahlbetrug zu konfrontieren, ohne ausreichende Beweise und mit dem Wissen um die hitzigen Gemüter der benachteiligten Volksgruppen lässt tatsächlich vermuten, dass Raila Odinga auf gewaltsame Ausschreitungen hin arbeitet. Deswegen gilt: Was immer in den Hinterzimmern Kenyattas geschieht, er ist definitiv der bessere Kandidat. Und was Odinga angeht: Wenn man viermal hintereinander eine Wahl verliert, hat man vielleicht viermal nicht ausreichend Stimmen gehabt. Demokratie heißt auch ein Ergebnis zu akzeptieren, auch wenn es einem nicht gefällt. Auch wenn in Mombasa die Straßen leerer sind, als gewöhnlich und die Geschäfte geschlossen sind…auch wenn es gewaltsame Ausschreitungen in Kisumu und anderen Teilen des Landes gibt, in Kikambala ist es vorerst ruhig und gestern wurde der neue alte Präsident gefeiert. Jubilee!

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