Multiplikatoren – warum sie so wichtig für kikambalacare sind und weshalb sie sich einsetzen mit Andrea Spital

Hallo Andrea, schön, dass Du Dir die Zeit nimmst. Erzähl uns doch ein wenig über Dich und schildere uns bitte, wie Du auf kikambalacare aufmerksam geworden bist.

 Hallo Sarah,

gerne sage ich ein paar Worte zu meiner Person.
Eigentlich sind wir beide uns zufällig bei deiner Nachbarin und meiner Freundin begegnet und ins Gespräch gekommen. Immer mal wieder haben wir so beisammen gesessen und uns unterhalten können. Sobald ich gehört habe, dass du eine gemeinnützige Arbeit in Afrika unterstützt und sogar organisierst, habe ich riesen Elefantenohren bekommen und war direkt Feuer und Flamme für das, was kikambalacare und CO in Kikambala, Kenia, auf die Beine stellen.
Ich selber bin früh durch Gemeindearbeit, Pfadfinderarbeit und später dann durch mein Studium zur Sozialen Arbeit nicht nur mit sozial-gesellschaftlichen Themen im Inland, sondern auch im Ausland, in Berührung gekommen. Hierzu gehört auch mit den Jahren, sich nicht nur blind ans Helfen zu klammern, sondern genau in den Diskurs zu gehen, welche Hilfe kommt wo nicht nur gut an, sondern fruchtet auch, so dass Erfolg geerntet werden kann. Hilfe, die nicht nur unmittelbar den Betroffenen Abhilfe schafft, sondern auch der Region, dem politischen System und vor allem der dauerhaften Selbstwirksamkeit und Selbstverwirklichung jedes Einzelnen dient. Menschen einen Zugang zum Bildungssystem und die finanzielle Sicherheit bis zu einem Abschluss zu ermöglichen, ist, denke ich, immer noch mit das sinnvollste und wertvollste, in das man sein Geld besser nicht investieren kann und Menschen eine Möglichkeit und Chance bietet.

Warum im Ausland?

Ich denke, dass es uns in Deutschland ziemlich gut geht. Unser System ist nicht perfekt, aber ziemlich gut aufgestellt und bemüht, sehr gerecht und unterstützend jedem Bildung und das Recht auf möglichst freie Wahl zu gewähren. Das System bietet viele offene Türen, um Benachteiligten Teilhabe zu sichern.Die Globalisierung ist fortgeschritten und mittlerweile unabdingbar geworden. Gutes Schaffen, gutes Tun und dabei nicht auszubeuten ist oftmals nicht 100ig vereinbar. Bildung trägt immer zur Aufklärung und zu Teilhabe bei. Es macht Menschen stark und sorgt vielleicht auch dafür, dass Ausbeutung strukturell auf Dauer aus dem eigenen Land heraus verhindert werden kann?!

Warum hat Dich die Arbeit von kikambalacare überzeugt und was findest Du besonders unterstützenswert?

Ich finde es super, dass es ein kleiner Verein ist. Ich schätze deine gesellschafts- und politschkritischen Ansichten, die trotzdem sehr realistisch und verhältnismäßig bleiben. Du gehst die Arbeit nicht naiv an, sondern benennst glasklar, dass die eigentliche Selbstwirksamkeit der Einheimischen die Selbsthilfe und Selbstbemächtigung sind. Und trotzdem hilft jede Patenschaft einem einzelnen Menschenleben. Durch den direkten Kontakt zu dir und deinen offenen Umgang mit den anderen sozial aktiven Familienmitgliedern in Kenia schafft eure Vernetzung eine gute Transparenz. Du versuchst die Kosten so gering wie möglich zu halten und steckst ungaublich viel Herzblut in die Arbeit. Jährlich fliegst du rüber, um mit den Menschen vor Ort in direkten Kontakt zu kommen und den Unterstützern bestmöglich Informationen und Fortschritte zu teilen.

Bist Du schon mal in Afrika gewesen oder hast Du vor, dorthin zu reisen? Wenn Du schon mal dort warst, wie war Dein Eindruck? Wo konntest Du 
Unterschiede zu unserer Kultur festmachen? Was hat Dir besonders gefallen? 

Ich war bisher viermal auf dem Kontinent Afrika. 1x in Namibia (1 Monat), 1x von Namibia aus rüber nach Botsuana (1 Monat) in Ghana ( 3 Wochen) und ganz früher als Kind in Tunesien. Die beiden Male jeweils ein Monat in Namibia und Botsuana war ich autark in einem Offroadfahrzeug unterwegs ins Nichts, beziehungsweise in die Natur unter anderem zu den Einheimischen. Die drei Wochen in Ghana hatte ich Riesenglück und bin bei einer einheimischen Familie untergekommen und herzlichst in deren Familien- und Befreundetenkreis aufgenommen worden. Natürlich sind es letztendlich nichts anderes als Urlaube und somit bleibt der Kontakt zu Einheimischen auch oberflächlich beziehungsweise in Ghana vorrübergehend. Uns trennen Welten.
So groß die religiösen, kulturellen Unterschiede auch sein mögen, man muss sie nur kennenlernen und weg von dem Denkmuster schwarz und weiss kommen. Nicht alles muss man für sich als gut und richtig empfinden und adaptieren. Aber eine gewisse Akzeptanz und Offenheit sollte man mitbringen, denn „wir“ sind nicht die Einzigen und erst recht nicht die Richtigen. So wie jede Pflanze Ihren Rhythmus, ihre (Rahmen-)bedingungen hat und ihren Anreiz und dann auch Input braucht, hat dies auch jede Kultur und jedes Land für sich. Überall, wo Dinge anders gesehen, gestaltet und verstanden werden, lernen die Menschen voneinander.
Und zu guter letzte liebe ich neues Essen!

Siehst Du in irgendeiner Form eine gewisse Verantwortung zu helfen?


Durch die voranschreitende Globalisierung und die Gewinnmaximierung vieler „reicher“ Länder, finde ich es wichtig betroffene Länder mitwirken und gestalten zu lassen, aufzuklären und unsere Standards auch dort in Verhältnismäßigkeit walten zu lassen. Dies tun zum Glück nach und nach immer mehr Firmen im Rahmen von CSR, wenn auch zu zögerlich und noch zu wenig. Es dürften gerne mehr werden.

Mit Deiner Hilfe unterstützt Du ein kleines Dorf in Kenia – warum Kenia und nicht ein anderes Land?

Weil ich dich getroffen habe und der Verein klein und überschaubar ist und den Menschen vor Ort viel bedeutet, dem Einzelnen sehr hilft und das Wichtigste unterstützt, was dem Menschen Partizipation an gesellschaftspolitischen Diskursen haben lässt und im Alltäglichen mehr Selbstbemächtigung bringt.

Du hast Dich auch mit den 360 Grad-Videos beschäftigt, die wir in Kenia aufgenommen haben und diese per Virtual Reality geschaut. Wie war das für Dich?

Fast ein Stück Urlaub. Es löst Fernweh in mir aus und erinnert mich jedes Mal daran, mit wie wenig Menschen glücklich und zufrieden mit wesentlichen Dingen sein können. Von denen möchte ich mir und anderen eine Scheibe abschneiden.

Wir sind Dir sehr zu Dank verpflichtet, dass Du Dich so für uns einsetzt. Was sagst Du Menschen, denen Du kikambalacare empfiehlst?

Einfach mal machen. Das Geringste was dabei rauskommen kann, ist einen Menschen etwas zu schenken, wovon er träumt. Und dann profitiert womöglich die ganze Familie davon? Genial, was kann es Schöneres geben. Und mit ein wenig Glück passiert noch viel mehr, dass sich die Menschen wieder für andere Menschen einbringen, Politik ein wenig besser verstehen und vielleicht selbst Themen in die Hand nehmen und dann vielleicht doch etwas verändern? Warum das nicht wagen?

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, ein paar Fragen zu beantworten!

Andrea im Etosha Nationalpark, wo sie beim Reifenwechsel hilft.

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