Emmanuel Wara Katana – ein junger Mann aus Kikambala spricht über die Situation von Jugendlichen in Kenia

Wie sehen junge Menschen in Kenia in ihre Zukunft, wie beurteilen sie die Lage in ihrem Heimatland? Emmanuel redet mit Sarah von kikambalacare über möglichen Perspektiven und den Versäumnissen politischer Eliten in Kenia, Jugendliche zu fördern und zu schützen.

Hallo Emmanuel! Toll, dass Du Dir Zeit nimmst, ein paar Fragen zu beantworten. Wir möchten mit kikambalacare auch als interkultureller Botschafter fungiern und vermitteln, wie das Leben in Kenia, einem Land mit vielen Schwierigkeiten ist. Schwierigkeiten, die Menschen in Deutschland nicht kennen und wir finden es wichtig, davon zu erzählen. Mit Patenschaften wollen wir Zukunftsperspektiven für die junge Generation in Deinem Heimatland verbessern und es ist schön, dass Du uns als junger Mann davon erzählen möchtest, wie ihr euch fühlt. Es ist besonders schön, weil wir uns lange kennen und ich Dich als Freund und Menschen schätze. Für unsere Leser berichte uns doch von Deinem Background – woher kommst Du, wie lebst Du und welche Ausbildung hast Du absolviert? Wo arbeitest Du zur Zeit?

Mein vollständiger Name ist Emmanuel Wara Katana. Ich lebe in Kikambala und bin 27 Jahre alt. Im Jahr 2019 habe ich meinen Bachelor in Finanzen und Bankwesen an der Universität Moi abgeschlossen. Ich arbeite bei der Coast Water Works Development Agency, einer staatseigenen Einrichtung für die Bereitstellung von Wasser- und Sanitätsversorgung als interner Finanzprüfer. Außerdem mache ich meinen Master in Teilzeit, meistens nach der Arbeit.

Ich lebe mit dem Großteil meiner Verwandten in Kikambala gemeinsam an einem Platz. Diejenigen unserer Verwandeten, die weiter weg leben, sind diejenigen, die geheiratet haben, insbesondere die Frauen oder diejenigen, die sich an einem anderen Platz niedergelassen haben, um ihre eigeneGemeinschaft zu gründen. Innerhalb der einzelnen Familien ernähren die, die einen Arbeitsplatz die anderen mit, die keine Geldeinnahmen haben. Innerhalb einer Ehe sind es meistens die Männer, die arbeiten gehen. Gegenwärtig ist die Situation in unserem Land überhaupt nicht gut, denn es ist wirklich ein Kampf, sich einen Arbeitsplatz zu sichern. In unserem Land ist sogenannte Vetternwirtschaft ein großes Problem: Personen werden nur für Positionen in Betracht gezogen, wenn ihre Verwandten oder engen Freunde diesbezüglich Verbindungen haben – unabhängig von den beruflichen Anforderungen und jeweiligen Qualifikationen. Diese Lage ist so frustrierend, dass ich das Gefühl habe, die meisten Jugendlichen haben sich aufgegeben und/oder nehmen Drogen. Die Regierung hat es versäumt, Gesetze zur Regulierung von Drogenmissbrauch aufzustellen. Die Situation verschlechtert sich zunehmend und in naher Zukunft wird es an ausgebildeten Fachkräften mangeln. Die Mehrheit hat keine finanzielle Möglichkeiten, eine qualifizierte Ausbildung zu absolvieren und sieht keine Zukunftsperspektiven mehr für sich.

Was sind die größten Herausforderungen in Kenia? Warum leben so viele Menschen in Armut und was würdest Du tun, um etwas zu ändern?

Ich möchte eingangs betonen, dass jeder Bürger in Kenia eine Mitschuld daran trägt, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Die Staats- und Regierungschefs meines Heimatlandes sind darüber hinaus natürlich hauptverantwortlich, da sie an der Entscheidungsfindung im Parlament, im Senat oder in einem Forum beteiligt sind. Während derzeit viele Kenianer an Covid-19 erkranken ist die Regierung damit beschäftigt, Mittel für das BBI-Projekt* bereitzustellen. Es ist furchtbar für uns KenianerInnen zu sehen, wie unser Leben und wir zu keiner Zeit für die kenianische Regierung eine Rolle spielen…

Es ist meiner Meinung nach notwendig, sich für unternehmerische Bemühungen einzusetzen, um die Bevölkerung unabhängig von poltischen Entscheidungsträgern zu machen und die Anzahl derjenigen zu verringern, die in extremer Armut leben.

Statistiken zeigen, dass 40% aller AfrikanerInnen nach Europa wollen. Warum denkst Du ist das so?

Es ist richtig, dass von 10 KenianerInnen 7 nach Europa wollen, weil dort bessere Möglichkeiten bestehen, in besseren Lebensumständen zu leben. Unser Gesundheitssystem ist katastrophal und viele Menschen hungern. Es gibt keine wirkliche Rechtssicherheit und wir sind auf uns allein gestellt. Viele Menschen hier haben keine Hoffnung mehr, dass sich ihr Leben jemals verbessert, wenn sie in Kenia bleiben. Selbst diejenigen, die erwerbstätig sind, sind in Bezug auf Bezahlung und Arbeitsumfeld unzufrieden. Wenn wir an Europa denken, denken wir, dass es dort millionenfach besser ist, als bei uns.

*BBI steht für “Building Bridges Initiative”, ein politisches Programm mit dem Ziel, bestehende Institutionen besonders hinsichtlich ethnischer Konflikte zu harmonisieren und die schwierigsten Probleme auf integrative Weise anzugehen, die Kenia von nachhaltigem Wachstum abhalten. Tatsächlich ist es das greifbare Ergebnis des berühmten Händedrucks aus dem Jahr 2018, zwischen Präsident Uhuru Kenyatta und seinem lebenslangen Rivalen, dem ehemaligen Premierminister Raila Odinga. BBI ist bei der kenianischen Bevölkerung höchst umstritten. Die Initiative beinhaltet auch das Bestreben einer Verfassungsänderung, damit es beispielsweise für den bestehenden Präsidenten möglich bleibt, weiterhin politische Ämter zu bekleiden.

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